Rapha’s Festive 500 (2)

Tag 2

Aufstehen. Pott Kaffee. Abfahrt.
Der Tag ist nur ein halber. Ich muss um 13 Uhr im Hemd bei Oma am Tisch sitzen. „Im Hemd“ ist der Zustand, in dem man keine schlammbesprenkelten Radklamotten trägt. Also ein rarer Moment außerhalb meines für die Woche vorgesehenen Dresscodes. Diesen Zustand erreicht man dümmlicherweise nur durch Duschen und Umziehen. Schnute rasieren optional. Das bedarf zeitlicher Planung.
Es nieselt.
Mein linkes Knie bereitet mir schon wieder Probleme. Ich drehe also bereits nach den ersten Kilometern wieder um. Hoffentlich ist noch nichts zu spät.. Patellalateralisation nennt sich der Umstand, der mich ab und an außer Gefecht setzt. Bei frühzeitigem Erkennen, Ruhigstellen und etwas pharmazeutischer Umgarnung ist alles halb so wild. Nur überreizen sollte man nichts.
Über den Tag kommt auch noch die Sonne raus. Leicht betrübt über diesen Umstand, aber hauptsächlich bis zum Bersten vollgestopft (War sehr lecker Oma!), klebe ich mit den Augen an der Fensterscheibe und ärgere mich über die Zwangspause, die wohl am nächsten Tag fällig werden wird.


Tag 3

Zwangspause. Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen..


Tag 4

Shit Shit Shit, die Woche geht flott rum.. Die Challenge wird wohl nichts mehr. Gesundheit geht vor, sonst bin ich mit 30 Jahren Pirat. Carbon-Holzbein mit angespaxtem Klickpedal-Cleat? Ich denke einen Moment über die Konsequenzen nach. Geringes Gewicht bei voller Funktionalität. Verbesserter Aerodynamik. Warum eigentlich nicht. Also rauf auf den Sattel..
Rizzo (neben Oma der andere Leser dieses Blogs) fährt mit. Laune und Bedingungen sind bestens. Trotzdem bleibt es (meinetwegen) bei 40km. Nur nichts überstürzen jetzt…
Die verbleibenden 350km fahre ich dann die Tage mal. 😉

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Rapha’s Festive 500

Die Herausforderung: 500km radeln. 8 Tage Zeit.
Klingt nach einem entspannten Sommertrip: Sprudelnde Apfelsaftschorle, Sonnenspray LSF30 und lecker Eis.
Datum: 24.-31. Dezember. Bitte was?! Puh.. Gut, Eis ist auf jeden Fall möglich.
Die Festive 500 ist eine weltweite, von Edel-Radbekleidungsfirma Rapha ins Leben gerufene Aktion, zwischen den Jahren 500km Rad zu fahren. Nur rund jeder Fünfte schafft es tatsächlich, sich gegen Wind, Wetter und soziale Verantwortungen zu behaupten. Ich melde mich daher sicherheitshalber mit fünf verschiedenen Emailadressen an. Es gibt zwar auch Preise zu gewinnen, aber hauptsächlich geht es um Radlerstolz und Ehre, ausgedrückt durch einen Teilnahme-Aufnäher, den man bei erfolgreichem Absolvieren zugeschickt bekommt. Eine vorgegebene Route gibt es nicht. Jeder kann fahren, wo und womit es ihm beliebt. Ich wähle das Rennrad, mit dünnen Trekking-Reifen für mehr Kurvengrip bei Nässe. Nachgewiesen werden die gestrampelten Kilometer über eine GPS-App fürs Handy (Strava). An sich eine simple Sache.

Während also überall festliche Stimmung aufkommt, Lebkuchen gemampft und Wintertee getrunken wird, schnipsel ich mir aus einer leeren Smoothie-Plastikflasche zwei Mini-Schutzbleche, damit die Rennradbremsen nicht mit Schlamm und Dreck zusetzen. Meine Lunge pfeift ein bisschen auf einem Zylinder, aber das schleift sich schon frei.

Wie im Profisport auch, wurden im Vorfeld natürlich umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Ich habe einen neuen Hinterreifen gekauft. Mit echtem Profil! Der alte war bis auf die Karkasse abgefahren. Darüber hinaus habe ich mich einer strikten Tiefkühlpizza-Diät unterzogen, um mich gerade im Bauchbereich gegen die kalten Temperaturen schützen zu können. Das Eisbärenprinzip. Ich habe mein Leben im Griff.
Bin ich konditionell vorbereitet? Nein.
Kann man überhaupt vorbereitet sein? ..ich formuliere um:
Ist Otto Normal denn vorbereitet? Sicher nicht! Hah!

So. Jetzt mal Ball flach halten, Teetasse entlüften und abwarten, an welchem Punkt des Vorhabens ich grandios scheitere. Wetten werden noch angenommen.

Tag 1:
Ich blicke morgens verdattert aus dem Fenster. Diverse Grautöne verschwimmen zu einem Hauptgrau. Nach längerem Hinsehen entsteht ein kahler Baum in meiner Sicht. Es regnet nicht. Erleichterung.
Einen (für Ungeübte letalen) Kaffee später poltere ich mit Rad und Klickschuhen das Treppenhaus herunter. Ich bin heiß auf die Challenge. 2m aus der Haustür heraus kühlt diese Hitze recht schnell ab. App starten, rauf auf den Sattel und los!
Der Boden ist nass, die Luft kühl. Für die Jahreszeit kann man nicht meckern. Gegen 10Uhr kommt sogar die Sonne raus. Es wird ein absolut ungeplanter Trip nach Gießen über die Felder und Käffer der Region. Am Ende stehen 90km auf der Uhr. Kein schlechter Start. 410km to go..

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Kurz weg. Dänemark.

Tag 1/1.
Wir flanieren morgens ein wenig entlang der Meerkante bei Søndervig und begutachten die deutsche Strandarchitektur des 20. Jahrhunderts. Viel Beton, wenige Fenster, eher trister Baustil. Blumenkästen oder so hätten nicht geschadet. Dafür immerhin Meerblick. Schon damals galt: Lage, Lage, Lage.

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Ansonsten ist der Strand hier wirklich ganz nett. Schön feiner Sand, Dünen gibts auch. Die Mädels suchen irgendwelche versteinerten Viecher, ich suche nix. Warum auch? Dann eine kurze Pause im Zimmer, man wird ja auch nicht jünger.
Gegen Mittag folgt ein kurzer Abstecher ins pulsierende Stadtzentrum Hvide Sandes. Es gibt Softeis mit Lakritzstreuseln, anschließend Fischbrötchen. Die Reihenfolge gleicht einem kulinarischen Verkehrsunfall.

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Anschließend wieder zurück ins Hostel. Tuborg schlürfen. Irgendwie hängen alle durch. Das Bier macht es nicht umbedingt besser. Gegen Abend holen wir nochmal Bier nach und kochen Nudeln mit Gemüse-Thunfisch-Soße. Schon ist der Kurzurlaub vorbei.
Morgen dann die zugehörige Rückfahrt. Wenn da was spannendes passiert, sage ich Bescheid. Cheers.

Kurz weg. Dänemark.

Ich habe mich mit Antje und Barbara in Dänemark verabredet, um die wenigen verbleibenden Tage Sommersemesterferien bei kühlem Bier und Sandstrand ausklingen zulassen. Vorher muss ich noch eine letzte Klausur schreiben.
9:15Uhr, Tag der Abfahrt. Es ist ruhig im Viertel. Ein gedämpftes Hintergrundrauschen quillt vom Containerhafen durch, hier und da fährt ein Auto. Der Rest pennt. Selbst die Möwen halten den Schnabel.

Bam! Der bis zur Oberkante vollgetankte Cooper hat tief Luft geholt und begrüßt den Straßenzug mit einem lauten, jedoch im zulässigen Grenzbereich der StVZO befindlichen Dröhnen. Es sind jetzt alle wach. Ich wollte erst Motorrad ballern (was dem Viertelwachwerde-Faktor keinen Abbruch getan hätte), dachte mir dann aber doch, dass das Auto das bequemere Fortbewegungsmittel für diesen minuziös verplanten Spontantrip sei. 400km stehen auf der Tageskarte.
Auf dem Amaturenbrett kleben Abreiß-Papierzettel mit der groben Wegbeschreibung. Ich bin schon ein Macker manchmal. Ohne Zigarettenanzünder kein Navi.
Erstmal ab zur Klausur, erstmal Fenster runter. Kühle Morgenluft durchströmt den Innenraum. Ich komme mit Hauptsache-weg-Mentalität an. Schlimm genug, dass ich auf Achse einen Kuli und einen Taschenrechner mitschleppen muss. Das Leistungsgewicht meines Rallye-Siegers ist total im Eimer.
Es folgt: Herzklopfen, Zettelausgabe, ouhh die Lernlücke, ahh das kann ich, Abgabe.
„Sie haben doch noch 30min Zeit!“
„Ja, aber die bringen mir auch nix mehr..“

Mit der Zeit weiß man, wie das mit dem Studieren funktioniert. Tschüss, schönen Tag noch.

Zurück in die Konservendose. 7h Autofahrt inkl. Fähre. Eine kurze Zusammenfassung:

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Ich komme gegen frühen Abend leicht kaputt in Hvide Sande an. Während Edgar knisternd auskühlt und sich wohlverdient in den Feierabend verabschiedet, lasse ich mich mit der Körperspannung einer rohen Putenbrust auf das letzte freie Bett unseres Zimmers fallen. Abendessen, 2-3 Bier und ab in die Koje. Es gibt Kürbis-Zucchini-Paprika-Zwiebel-Ofengemüse mit Couscous. Not bad.

Ecuador (Bilder)

Märkte.

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Ecuadorian Engineering.

imageTubus Cargo Retro. Max.Zuladung: 450kg. Neben Baustahl auch in Titan erhältlich, dann nur 6kg Gewicht.

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Sonstiges.

imageIch stehe hier exakt auf der um ca. 200m falsch berechneten Äquatorlinie.

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imageUnsere Küchenschabe Ingeborg.❤️

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imagePommes.

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Ecuador 8 (Quito again.)

Phils Handy verschwindet auf wundersame Weise im Gedränge des Busses. Ein uncooler Tag. Wir laufen zur Polizei, Anzeige gegen Unbekannt. Das falsche Polizeirevier. Hier nur eher diese anderen Sachen, sagt man uns, während zwei Drogendealer hereingeführt werden. Ein Kollege fahre uns aber gerne zur richtigen Dienststelle. Na schön.
Vor dem Revier steht ein geleckt sauberer Streifenwagen in strahlendem Weiß. Phil will sich automatisch nach vorne setzen. Und der zweite Cop dann nach hinten in die fahrbare Zelle?! Die Polizisten lachen. Also knäulen wir uns zu dritt hinten rein.
Es folgt eine nette Kaffeefahrt in einer waschechten Bullenschleuder („Es hat’n Bullenmotor […], hat Bullenreifen, Bullengetriebe und Bullenstoßdämpfer.“) bis zum richtigen Revier.

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20min Report und schon liegt eine zweifache Ausfertigung des Berichts auf dem Schreibtisch. Eine für Phils Versicherung, eine zweite für den Aktenvernichter des Reviers, das Handy ist definitiv weg. Quito hat es jetzt.
Dennoch: Es ist der letzte Tag. Wir gehen daher abends einen heben und landen in einem gemütlichen Canelazos-Lokal. Das Ding sieht aus, wie die Gartenlaube einer DDR-Datsche. Beige Holzwände, Holzsitzgarnituren, 4m*4m. Dazu schummrige Beleuchtung und ein obligatorischer Fernseher mit schlechtem Empfang. Der Chlorgeruch aus der Toilette übertüncht den schwülwarmen Alkoholdunst des Raumes.
Canelazo ist Zuckerrohrschnaps mit Saft, serviert bei ca. 70Grad. Erbrochen in der Regel bei 36Grad. Wir nehmen Platz. Die Anzahl hochgestreckter Finger bestimmt die gewünschte Anzahl des quasi einzigen Drinks, der hier ausgegeben wird. In unserem Fall vier. Im Verlauf des Abends stelle ich fest, dass im Pissoire exakt 10 Klosteine liegen. Zehn. Ein Wunder, dass die Keramik noch nicht durch die enorme Klosteinbelastung abgekracht ist. Wiederum kein Wunder, woher der Chlorgeruch kommt. Der Abend endet irgendwo in einem nahegelegenen Club, bei einer für europäische Verhältnisse fast schon peinlichen Playlist der letzen beiden Jahrzehnte. (Mambo No.5, are you shitting me?!)

Am nächsten Morgen dann Ernst. Glockenwach ist anders. Quito-Bogotá-Frankfurt. Ende, aus und vorbei.

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Ecuador war ein tolles Abenteuer, mit wenigen Ausnahmen sehr hilfsbereite und freundliche Menschen, super einfach zu bereisen und landschaftlich schlichtweg atemberaubend. Mit meinem lupenreinen 2-Wochen-Spanisch gab es hin und wieder Verständnisprobleme, aber alles in allem hat die Kommunikation erstaunlich gut funktioniert.
Ich werde demnächst noch ein paar Bilder hochladen, die ich jetzt keinem spezifischen Thema zuordnen konnte.

Peace und danke fürs Mitlesen. ☕️
Rob

Ecuador 7 (Nariz del Diablo)

Ich bin ein paar Tage im Schreibverzug. Mittlerweile haben Phil und ich allerlei spannende Sachen erlebt. Zum Beispiel sei da der sogenannte Devil’s Nose Train zu erwähnen:
Eine Eisenbahnverbindung durch das Andenhochland inmitten von felsigen Abgründen, welche während ihres Baus um 1900 rund 2500 Arbeiter das Leben kostete. Kleinigkeit. In Mode war zB. der Tod durch Dynamit, durch einen Sturz in die Tiefe oder einfach nur bedingt durch die äußerst liberalen Arbeitnehmergesetze der Zeit.
Mittlerweile sterben hier nur noch dämliche Touristen, die sich zu weit rauslehnen. Wir sind also die gefährdete Gruppe, überleben aber trotzdem (haarscharf).

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Anyway, seinen Namen bekam der ursprünglich anders betitelte Berg durch einerseits den unglaublich hohen Verschleiß an Arbeitern (und den deshalb hervorgerufenen Aberglauben, es sei der Teufel persönlich am Werk), andererseits lässt sich mit etwas Fantasie tatsächlich eine Fratze im Berg erkennen. Der Felsvorsprung, um den die Eisenbahnttrasse verlegt wurde, ähnelt einem enorm langgezogenen Nasenrücken. Nariz del Mike Krüger. Über diverse Spitzkehren geht es mal vorwärts, mal rückwärts ins Tal hinunter.
imageWährend einer kurzen Pause entdecken Phil und ich eine weitere Touristenattraktion: Es ist Phil. Ein Schaffner möchte ein Foto machen und löst damit einen zugübergreifenden Hype aus. Ich habe Sonderrechte.

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