SaintP – Moskau

Unsere Zeit in St.Petersburg nähert sich dem Ende. Natürlich durfte auch eine Tour durch den Palast der Jussopow-Familie nicht fehlen. Der Mord an Grigori Rasputin. Die Tour beschreibt den Stimmungswechsel gegenüber Rasputin, vom einst verheißungsvollen Prediger und persönlichen Wunderheiler des hämophilen Zarensohns zum nunmehr zu einflussreich gewordenen Hauptverantwortlichen für den Untergang des russischen Zarenreichs. Wir schlendern durch die Originalschauplätzen des Mordanschlags im Keller des Palasts. Die genauen Umstände des Mordes sind nicht bekannt, was für eine lupenreine Mystifizierung eines jeden Antihelden dringend erforderlich ist. Wahrscheinlich ist jedoch, dass vergifteter Kuchen und Kugel 1 in die Brust nicht ausreichten, damit Rasputin den Löffel (bzw. hier: die Kuchengabel) abgab. Er wurde sodann schwer verwundet hinter dicken Kellermauern seinem Schicksal überlassen. Als er versuchte, sich aus dem Staub zu machen, legte man im Hof nochmal bleiern nach und versenkte ihn in der Newka. Easy peasy Straffreiheit. Den Zusammenbruch des Zarenreichs konnte die Tat auch nicht verhindern, aber hinterher ist man immer schlauer. An der Stelle seines Todes ist heute ein Spielplatz gebaut. Geschichte ist schon seltsam manchmal.

Letzter Abend in Saint-P. Wir hauen nochmal in die Tasten und verlassen die Stadt nach einer bemerkenswert kurzen Nacht mit dem Sapsan, der russischen Variante des ICEs. Es stand noch die unbequeme Möglichkeit aus, mit einem klapprigen Regionalzug zwischen russischen Muttis von Dorf zu Dorf zu reisen (was durchaus seinen Charme gehabt hätte, keine Frage), aber die Zeit fliegt und einen ganzen Reisetag für den Transfer von St.P nach Moskau zu opfern schien uns die Sache nicht wert. Während wir in bequemen Sitzen mit ausreichend Beinfreiheit sitzen, fliegt eine grüne, hügelige Landschaft voller Bäume und kleineren Feldern am Fenster vorbei. Ich stelle fest, dass ich hier nochmal mopedisiert hinkommen möchte.

Im Fernseher läuft ein Kriegsfilm. Die Deutschen sind unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Das ganze Abteil starrt gebannt auf den kleinen Bildschirm an der Decke des Wagons. Ernste Blicke. Na geil. Phils und meine Kommunikation auf Deutsch beschränkt sich auf ein Minimum. Ich mache mich klein, Phil bleibt Phil.
Generell ist hier alles sehr waffen- und kriegsfixiert. Walter übersetzte uns ein Werbeschild für ein Kindermilitärtraining, überall Soldaten mit schweren Waffen und bei Burgerking gab es Panzer im Kids-Menu. Mach das mal in Deutschland. Hier Tobias, deine Apfel-Pommes und dein Leopard II, du Freak!
Nun denn, ein Verpflegungswagen rollt samt Verpflegungswagenantriebs- und ausgabepersonal vorbei. Ich bin in der Lage mir eigenständig einen Kaffee auf Russisch zu bestellen. Success!
Dann, Moskau.

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