Ecuador (Bilder)

Märkte.

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Ecuadorian Engineering.

imageTubus Cargo Retro. Max.Zuladung: 450kg. Neben Baustahl auch in Titan erhältlich, dann nur 6kg Gewicht.

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Sonstiges.

imageIch stehe hier exakt auf der um ca. 200m falsch berechneten Äquatorlinie.

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imageUnsere Küchenschabe Ingeborg.❤️

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imagePommes.

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Ecuador 8 (Quito again.)

Phils Handy verschwindet auf wundersame Weise im Gedränge des Busses. Ein uncooler Tag. Wir laufen zur Polizei, Anzeige gegen Unbekannt. Das falsche Polizeirevier. Hier nur eher diese anderen Sachen, sagt man uns, während zwei Drogendealer hereingeführt werden. Ein Kollege fahre uns aber gerne zur richtigen Dienststelle. Na schön.
Vor dem Revier steht ein geleckt sauberer Streifenwagen in strahlendem Weiß. Phil will sich automatisch nach vorne setzen. Und der zweite Cop dann nach hinten in die fahrbare Zelle?! Die Polizisten lachen. Also knäulen wir uns zu dritt hinten rein.
Es folgt eine nette Kaffeefahrt in einer waschechten Bullenschleuder („Es hat’n Bullenmotor […], hat Bullenreifen, Bullengetriebe und Bullenstoßdämpfer.“) bis zum richtigen Revier.

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20min Report und schon liegt eine zweifache Ausfertigung des Berichts auf dem Schreibtisch. Eine für Phils Versicherung, eine zweite für den Aktenvernichter des Reviers, das Handy ist definitiv weg. Quito hat es jetzt.
Dennoch: Es ist der letzte Tag. Wir gehen daher abends einen heben und landen in einem gemütlichen Canelazos-Lokal. Das Ding sieht aus, wie die Gartenlaube einer DDR-Datsche. Beige Holzwände, Holzsitzgarnituren, 4m*4m. Dazu schummrige Beleuchtung und ein obligatorischer Fernseher mit schlechtem Empfang. Der Chlorgeruch aus der Toilette übertüncht den schwülwarmen Alkoholdunst des Raumes.
Canelazo ist Zuckerrohrschnaps mit Saft, serviert bei ca. 70Grad. Erbrochen in der Regel bei 36Grad. Wir nehmen Platz. Die Anzahl hochgestreckter Finger bestimmt die gewünschte Anzahl des quasi einzigen Drinks, der hier ausgegeben wird. In unserem Fall vier. Im Verlauf des Abends stelle ich fest, dass im Pissoire exakt 10 Klosteine liegen. Zehn. Ein Wunder, dass die Keramik noch nicht durch die enorme Klosteinbelastung abgekracht ist. Wiederum kein Wunder, woher der Chlorgeruch kommt. Der Abend endet irgendwo in einem nahegelegenen Club, bei einer für europäische Verhältnisse fast schon peinlichen Playlist der letzen beiden Jahrzehnte. (Mambo No.5, are you shitting me?!)

Am nächsten Morgen dann Ernst. Glockenwach ist anders. Quito-Bogotá-Frankfurt. Ende, aus und vorbei.

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Ecuador war ein tolles Abenteuer, mit wenigen Ausnahmen sehr hilfsbereite und freundliche Menschen, super einfach zu bereisen und landschaftlich schlichtweg atemberaubend. Mit meinem lupenreinen 2-Wochen-Spanisch gab es hin und wieder Verständnisprobleme, aber alles in allem hat die Kommunikation erstaunlich gut funktioniert.
Ich werde demnächst noch ein paar Bilder hochladen, die ich jetzt keinem spezifischen Thema zuordnen konnte.

Peace und danke fürs Mitlesen. ☕️
Rob

Ecuador 7 (Nariz del Diablo)

Ich bin ein paar Tage im Schreibverzug. Mittlerweile haben Phil und ich allerlei spannende Sachen erlebt. Zum Beispiel sei da der sogenannte Devil’s Nose Train zu erwähnen:
Eine Eisenbahnverbindung durch das Andenhochland inmitten von felsigen Abgründen, welche während ihres Baus um 1900 rund 2500 Arbeiter das Leben kostete. Kleinigkeit. In Mode war zB. der Tod durch Dynamit, durch einen Sturz in die Tiefe oder einfach nur bedingt durch die äußerst liberalen Arbeitnehmergesetze der Zeit.
Mittlerweile sterben hier nur noch dämliche Touristen, die sich zu weit rauslehnen. Wir sind also die gefährdete Gruppe, überleben aber trotzdem (haarscharf).

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Anyway, seinen Namen bekam der ursprünglich anders betitelte Berg durch einerseits den unglaublich hohen Verschleiß an Arbeitern (und den deshalb hervorgerufenen Aberglauben, es sei der Teufel persönlich am Werk), andererseits lässt sich mit etwas Fantasie tatsächlich eine Fratze im Berg erkennen. Der Felsvorsprung, um den die Eisenbahnttrasse verlegt wurde, ähnelt einem enorm langgezogenen Nasenrücken. Nariz del Mike Krüger. Über diverse Spitzkehren geht es mal vorwärts, mal rückwärts ins Tal hinunter.
imageWährend einer kurzen Pause entdecken Phil und ich eine weitere Touristenattraktion: Es ist Phil. Ein Schaffner möchte ein Foto machen und löst damit einen zugübergreifenden Hype aus. Ich habe Sonderrechte.

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Ecuador 6 (Quilotoa)

Was wir dachten. Wie es tatsächlich war.

Phil und ich verlassen Quito und reisen per holprigen Überlandbus nach Quilotoa. Quilotoa ist ein kleines Kaff am Rande eines Kratersees inmitten eines andinen Bilderbuch-Panoramas. Entlang des Kraterrandes führt ein abenteuerlicher Wanderweg. Wir wollen einmal rum. Verpflegung haben wir uns ausreichend mitgebracht.
Morgens, 9:00Uhr. Wir haben gut gefrühstückt. Das Wetter ist spitze.

Ok es wird definitiv sonnig, aber die Jacke lieber mal zur Sicherheit mitnehmen.
Es ist arschkalt. Der Wind pustet so stark, dass ich meine Finger vor Kälte nur gaaanz langsam zur Faust ballen kann. Trotzdem verbrennen wir uns beide dank permanenter Sonne die Gesichter. Zwei deutsche Weißwürste on Tour. Der Klassiker.

3900m sollte schon gehen. Wir sind ja mittlerweile akklimatisiert.
Man atmet, aber der Sauerstoff kommt nicht in den Muskeln an. Jede Faser brennt. Keine Puste. Kleine Schritte. Permanenter Fokus auf den gerölligen, teils steilen Pfad. Die Kommunikation wird auf ein Minimum reduziert.

Die angegebenen 4-5h sind bestimmt konservativ geschätzt.
Wir sind fast 7h unterwegs. Nach einem Viertel des Tracks sind wir bereits total KO und kraftlos. Immer mehr Pausen folgen. Waden und Oberschenkel sind im Standby-Modus. Sie werden nach einer Zeit einfach vom Gehirn ausgeblendet. Die Hüfte ist geistig noch da. Wir schlurfen wie zwei zerstörte Zombies durch die Landschaft. Zeitweise kickt die Erschöpfung so hart, dass ich anfange, alles mögliche lustig zu finden.

Landschaftlich wird das bestimmt absolut genial.
Check. Die Erinnerung nimmt uns keiner mehr weg.

Würden wir es wieder tun? Aww hell no.. Zweimal nein. 😀
Zurück im Hostel futtern wir diverse mg Ibuprofen, um dem Körper eine kleine Auszeit zu gönnen.

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Ecuador 5 (Ein Berg und ein Unfall.)

Phil kommt bald! Ich begebe mich gen Norden mittels Nachtbus. Der Gedanke dahinter: Im Bus pennen, es geht kein Tag für von A nach B verloren und man spart Hostelkosten. Riobamba scheint mir eine gute Distanz, außerdem war ich da noch nicht.
Tja, schlecht geplant. Ankunft 2:30Uhr nachts. Ich Depp. Geschlafen habe ich auch nicht. Also doch Hostel. Meh..
Am Busstop wartet bereits eine Horde wilder Taxifahrer. Ich nehme eins in die Stadt. Schon in den ersten 100m fällt mir auf, wie unglaublich mies sich das Fahrwerk anfühlt. Alles scheppert und die Dämpfung funktioniert schlecht.
Dann passiert es: Wir fahren durch ein dickes Schlagloch, es tut einen Schlag (Daher wohl das Wort.) und das Taxi kommt mit quietschenden Reifen ziemlich unsanft zum Stehen.
Stille.
Der Taxifahrer steigt aus und guckt. No es bien? frage ich und weiß dabei weder, ob das richtig konjugiert ist, noch ob das überhaupt ein vollständiger Satz ist. Er guckt mich an wie ein begossener Pudel. Garnix es bien. Ich steige ebenfalls aus. Das linke Vorderrad hängt sonstwo im Kotflügel. Antriebswelle und Querlenker sind komplett aus entsprechenden Positionen gerissen. Öl tropft bereits auf das Kopfsteinpflaster. Das würde ich checken lassen. Am liebsten hätte ich direkt ein Foto gemacht. Ich gucke betroffen, aber der Ingenieur in mir springt vor Freude im Viereck! Eine kniffelige Situation für meine Gesichtsmuskeln.
Joa äh doof.. na dann schönen Abend noch!
Die restlichen 3-4 Blocks zum Hostel gehe ich zu Fuß.

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Szenenwechsel.
Riobamba liegt am Fuße des Chimborazos (6310m), Ecuadors höchstem Vulkan und gleichzeitig dem von der Erdmitte am weitesten entfernten Punkt. Go home, Everest!
Mein Plan: Vormittags zum Gipfel wandern, nachmittags zu Kaffe‘ und Kuchen wieder unten in Riobamba sein. Nicht.
Ich fahre mit einem Überlandbus zum Parkeingang auf 4386m. Niemand sonst will hier aussteigen. Als die Tür aufgeht, werde ich vom Unterdruck rausgesogen und falle in den Staub. (Achtung, das verwendete Stilmittel ist hier die klassische Hyperbel).
Sonne und Wind sind gut vertreten. Die Zähne knirschen vom feinen Sand. Ich melde mich am Parkeingang an und laufe einfach mal los. Die Richtung ist selbst für einen absoluten Laien, den ich mit durchgelatschten Turnschuhen und Jogginghose wohl darstelle, leicht auszumachen.
Zum Mittagessen: Banane und parallel eine Schippe Sand. Hmm.. fast wie bei Mutti.

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Ecuador 4 (Vilcabamba!)

Auf dem Weg nach Loja treffe ich Katrin (D) und Rowan (GB) im Bus. Irgendwie passt alles von der ersten Sekunde an, also ziehen wir gemeinsam weiter. Loja ist eine wie ich finde eher uninteressante Kleinstadt. Sehenswert ist einzig die pompöse Stadtpforte, auf die wir uns abends noch rauf machen. Resultat: Wir werden oben vergessen. Man schließt ab. Tja Pech, dann äh ..morgen wieder? Gute Nacht. Dank vorbeilaufender Passanten können wir aber schließlich doch noch befreit werden.

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Es zieht uns tags drauf weiter südlich nach Vilcabamba, einem verschlafenen Hippie-Kaff, umgeben von wunderschöner Bergkulisse. Die generelle Atmosphäre im Dorf ist mehr als relaxed. Noch dazu gibt es jede Menge Optionen für Outdoor-Aktivitäten. Rowan und ich (beide velophil) leihen uns Bikes und radeln in die Berge, Katrin reitet derweil Pferd. Sie zieht noch am gleichen Abend per Nachtbus weiter, dafür kommt Nadav aus Israel in unseren Dorm.

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Abends findet ein leicht merkwürdiges Straßenfest statt. Wir erfahren, dass es keinen wirklichen Grund dafür gibt, man feiert einfach nur gerne hier. Totales Unverständnis unsererseits. Wir ölen die Gelenke mit diversen Bierchen und gehen dann bis spät in die Nacht zu lateinamerikanischer Stampfmusik ab. Ein riesen Spaß und mal was anderes, als die elektronische Tanzmusik unserer Gefilde. Um drei stoppt die Musik schließlich. Wir unterhalten uns noch eine Weile angeschwipst mit dem übrig gebliebenen, gut betankten harten Kern der Dorfjugend auf Spenglish und Gebärdensprache.
Am nächsten Morgen beschließen wir noch leicht verstrahlt, zu einem Wasserfall im Nationalpark Podocarpus zu wandern. Das Wetter ist exzellent. Wir kaufen frisches Bananenbrot im Minimarkt um die Ecke und decken uns ausreichend mit Wasser für die Tour ein.

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Wieder unten angekommen bleibt uns die Straße ins Dorf erspart. Ein Pickup-Truck hält und wir werden auf der Ladefläche mitgenommen. Abends sind wir restlos platt.

Ecuador 3.1 (Cuy. Meerschweinchen.)

Soll ich es wirklich machen? Ich starre eine Zeit lang unentschlossen auf das braungebrannte, glänzende Meerschweinchen über den glühenden Kohlen. Es erwidert meine Blicke nicht, denn es ist tot. Seine Haut hat etwas von einem eingeölten Freibad-Proll im Spätsommer. Fehlt nur noch das Goldkettchen.

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Die Anatomie ist durchaus mit einem normal skalierten Schwein vergleichbar. Ich frage mich, wann das bei den Meerschweinen mit der Größe wohl evolutionär entgleist ist.
Aufsteigender Rauch brennt mir in Nase und Augen. Die Damen hinterm Grill grinsen mich an. Ich atme flach. Ach fuck it, ich bestelle mir eins. Mein Puls geht hoch. Ich nehme auf einem runden Holzschemel keine 1,50m hinter dem Grill platz. Der Tisch wackelt.
Als einziger Blondschopf auf dem Marktplatz fällt man auf. Ich sollte in diesem Viertel gegen Abend besser nicht mehr sein, riet man mir im Hostel am Tag zuvor. Ja schön, aber die werden das wohl kaum frei Haus liefern. „Guten Abend, Lieferheld hier, Ihr scheiß gegrilltes Meerschweinchen ist da.“

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Die Kleinste der Damen facht eifrig die Kohlen an und lächelt mir immer wieder freundlich zu. Meine schwarze Jacke ist ein wenig bestäubt von weißgrauer Asche. Ich bekomme einen Styropor-Teller mit Kartoffeln und Mais und einen weiteren mit dem Delinquenten vorgesetzt. Serviert wird das Ganze als Puzzle. Ein Foto. (Ich mag das eigentlich nicht, aber sonst glaubt mir keiner.)

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Ich suche mir etwas raus, dass ein Hinterlauf sein könnte. Gegessen wird mit der Hand. Die Haut ist wie zu erwarten kross und knusprig. Also durch ist es. Das Fleisch erinnert an Hühnchen, nur weniger bissfest und viel strenger / würziger. Es schmeckt ein bisschen nach Wald und Kräutern. Ich verbeiße mich, sofort knackt das filigranen Hinterbeinchen durch. Ich nehme mir das anderes Beinchen vor. Dann ein Teil, welches ich eher der Mitte zuordnen würde. Noch hier und da ein wenig von der knusprigen Haut, mehr will ich nicht. Das muss reichen.
Ich stehe auf, bedanke mich freundlich bei den Damen und gehe zügig, ohne mich nochmal umzudrehen.