1452km!

Von Aigues-Mortes ist es gefühlt ‚einmal treten‘ bis an die Küste des Mittelmeers in Le-Grau-du-Roi.
Ich erreiche mein zeitlich abgespecktes Ziel also so früh, dass noch der Morgendunst in der Luft hängt. Spanien wäre zwar auch nicht mehr sooo weit, aber das Semester fängt nächste Woche wieder an und ich möchte vorher noch ein paar Tage zuhause verbringen..

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Kein roter Teppich, kein Champagner und die wenigen Fischer am Hafen waren auch zu keiner Laola bereit. Das Wetter ist diesig. Trotzdem grinse ich von Ohr zu Ohr. Ein Fischer bemerkt das und grinst freudig zurück. Der Tacho sagt 1452km. Damit kann ich leben! Ich decke mich reichlich mit Pain Au Chocolat ein und schlürfe einen Cappuccino zur Belohnung bzw. zum Wachwerden. Der Tag kann kommen.

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Anschließend radele ich in die Innenstadt von Montpellier weiter, wo die Freundin der Freundin bereits Mittagessen im Ofen bereit hält. Yeah!
Es folgt ein kurzer Stadtrundgang mit vielen Fotos. Montpellier ist eine ‚junge‘ Stadt mit vielen Studenten, folglich auch vielen Kneipen und Cafés, kleinen Shops und Streetart in der Innenstadt. Gegen Abend wird Bier gekauft und auf die Grillparty der Kommilitonen gegangen. Der Tag wird bei Merguez und Heineken, sowie lustigen Geschichten aus diversen Nähkästchen in Denglais © (Deutsch-English-Français) ausgeklungen.

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Meinen letzten Urlaubstag verbringen wir leicht verstrahlt (‚Bier auf Wein‘ und andersrum, abbl-ärks) mit einem erneuten, relaxten Stadtbummel bei stechendem Sonnenschein. Bis auf 2-3 Ausnahmen hatte ich diesmal wirklich Glück mit dem Wetter. Zum Mittagessen gibt es ‚Seiche‘, also Calamari, und zum Nachtisch meinen absoluten Favorit: Café-Gourmand.

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Schwups, die Sonne runter, Mond hoch, Mond wieder fort und schon erwartet mich ein Tagestrip in diversen Regionalexpressen. TGVs nehmen auf meiner Strecke leeeeider keine Bikes mit. Pech, war aber schon so erwartet. Der MP3-Player ist voll geladen, Wasser, Knabberkram und Orangina sind an Bord, was kann mir da noch passieren..
Vielleicht noch ein kurzes Schlusswort: Eine schnieke Tour, landschaftlich wie kulturell wurde ich nicht enttäuscht. Obwohl diesmal alleine gefahren, war ich irgendwie nie lange ohne Gesellschaft unterwegs. Und ich bin froh, dass mein Knie diesmal nicht rumgefaxt hat.. Euch allen ein Dankeschön fürs Mitlesen! Die nächste Tour kommt bestimmt!

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Camargue & Co.KG

26 Grad Celsius. Anfang Oktober. Pralle Sonne.
Ich fahre von Avignon über Beaucaire nach Aigues-Mortes nur über freie Flächen auf mitunter kerzengraden, wenig frequentierten Landstraßen. Auch hier wird noch zum Teil fleißig Wein angebaut. In St.-Gilles kaufe ich unter anderem ordentlich Wasser ein, um nicht unterwegs zu vertrocknen.
Dann sehe ich am Wegrand einen Verkaufsstand. Farbenfrohes Gemüse und geflochtener Knoblauch locken zur näheren Inspizierung an. Je näher ich komme, desto umwerfender wird dieser unscheinbare Laden. Obst, Gemüse, Kräuter, Wein, Oliven und -Öl, alles kommt laut Verkäuferin vom Bauernhof direkt hinter dem Laden..

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Blöderweise hatte ich kurz vorher alles eingekauft, was ich für die Nacht brauche. Dennoch laufe ich ein bisschen unter dem schattenspendenden Wellblechdach herum. Es wird ein erfrischendes Eis. Ich komme mir beim Bezahlen etwas blöd vor. Es erstreckt sich mir das komplette Facettenreichtum der Natur und ich nehme ein gefrorenes Wasser mit Chemiegeschmack. Anschließend frage ich die Verkäuferin, ob sie etwas dagegen hätte, wenn ich ein paar Fotos machen würde. Sie verneint und macht mir mit einer einladenden Geste deutlich, dass ich mich wie zuhause fühlen dürfe. Genial, alles ist liebevoll drapiert, es duftet nach frischem Obst und Kräutern. Ich bin im Himmel. Am liebsten hätte ich den kompletten Laden nach Friedberg copy-gepastet.
Wieso füllt der Typ denn jetzt ein Buch mit diesem blöden Gemüsestand?, fragt ihr euch.
Das ganze dient als Überleitung zur buntesten Tomatenkiste, die ich jemals gesehen habe! Weiße, gelbe, orangene, rote in allen Formen und Farbnuancen, rosa, violette, hellgrüne, grüne im Wassermelonen-Outfit, rotbraune und dunkelbraune Tomaten lagen unsortiert nebeneinander. Alle essbar, alle reif. Vor meinem inneren Auge bereite ich den buntesten Tomatensalat aller Zeiten zu. Ich inhaliere mein Eis, knipse drauf los, wünsche einen angenehmen Tag und ziehe weiter..

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Châteauneuf du Pape – Extrablatt!

Wo ich schon mal hier bin.. Ich nehme die wenigen Kilometer Umweg in Kauf und strampele die Weinhügel von „Orange“ aus nach oben. Zack, über die Kuppe und da ist es, das Meer aus jenen Weinreben, welche sich in der ganzen Welt einen Namen ge..goren.. haben.
Schon kilometerweit vor dem eigentlichen Städtchen reihen sich die prachtvollen Weingüter namhafter Keltereien aneinander. Der Duft ist bahnbrechend: Flächendeckend riecht man diesen süßlich-herben Rotweingeruch. Überall wird mit Verköstigungen und Verkauf direkt ab Hof geworben. Da ich jedoch auf und mit dem Fahrrad unterwegs war, und bei dieser Hitze ein Gläschen eingeschlagen hätte, wie A. und Friedrich, lasse ich das mal lieber bleiben. Davon mal ganz abgesehen kann ich mit Ach und Krach Rot von Weiß unterscheiden und bin auch sonst eher der Pils-Typ.

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Das Chateau ist nicht mehr ganz intakt, es regnet rein. Zwei von vier Wänden stehen noch. Der Ort an sich hat, wie so üblich, ein mediterranes Flair, kleine Gassen, viele Treppen und viele Weinbars.
Wer mal in der Gegend ist: Der Umweg lohnt sich. Als Weintrinker ggf. umso mehr.

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Die Via Rhôna

In Lyon laufen Saône und Rhône zusammen. Die Saône verpufft dann restlos, sodass nur noch die Rhône übrig bleibt. Spaß. Die Wassermassen der Saône werden abgelassen und wieder zurück an den Quellort gepumpt. Wie dem auch sei, zur Sache..
Die Via Rhôna ist ein langes Projekt, sie beginnt beim Genfer See und führt ans Mittelmeer.
Ich bin zwiegespalten, ob ich sie nun mag oder nicht. Warum?
Sie ist noch nicht fertig. Das ist aber nicht das Problem. Problematisch ist, dass selbst auf fertigen Abschnitten mitunter an elementaren Punkten (6-armige Kreisel, Kreuzungen etc.) einfach die Beschilderung fehlt. Glücklicherweise reicht mein Französisch für diese Fälle aus, sodass ich nur wenige Extrafahrten in die falsche Richtung machen muss.
Auf den ausgebauten Streckenabschnitten ist die Qualität des Radwegs klasse! Perfekter Asphalt oder feiner Schotter, kein bis sehr wenig Autoverkehr und hier und da eine Tafel zur Orientierung.
Auf den nicht fertigen Abschnitten ist absolut nichts. Noch nicht einmal grobe Richtungspfeile. Ich muss teils Landstraße mit LKW-Verkehr fahren, grade im Bereich um größere Städte gibt es oft keine Alternativen. Oder noch ärgerlicher sind dann Radweg-Pfeile in weiß-grün, die aber in eine völlig andere Richtung gehen und mit der ViaRhôna nichts zu tun haben.
Deshalb habe ich mir eine Michelin-Karte zugelegt, da weiß man dann wenigsten, wo die Landstraße hinführt, die man nehmen muss..
Ansonsten merkt man mit jedem gefahrenen Kilometer, dass es auf das Mittelmeer zugeht. Die Landschaft verändert sich, das Wetter wird freundlicher, tagsüber sticht die Sonne schon ab 10Uhr.. Obwohl ich ja schon eher so der südländische Hauttyp bin.
Von Lyon aus schaffe ich es 112km, am nächsten Tag 128km gen Süden zu feuern! Ein Highlight ist definitiv die riesige Hängebrücke!

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Mâcon – Lyon

Heute gibts mal zwei Blogsens auf einmal, man wird auch nicht jünger und vergisst die Hälfte sonst wieder. Muss ein bisschen aufholen.

In Mâcon werde ich früh morgens durch das Röhren von brachial lauten Motoren geweckt. Man stelle sich ein hochmotorisiertes Auto vor, bei dem ab dem Krümmer ein Hauch von Garnichts mehr kommt. Dieses Auto fährt dann früh morgens in deinem Vorgarten rum.

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Wenig später erfahre ich die Auflösung des Rätsels: Ein Bootsrennen. Auf der Saône. 200m von meinem Zelt entfernt. Sonntags.
Das Ufer war gerammelt voll, sodass der lokale Pfarrer wahrscheinlich vor leeren Rängen predigte, falls der nicht auch Zuschauer war.. Ich schaue einen Moment zu und mache Fotos.

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Dann der nächste Coup: am Kreisel ist meine geplante Ausfahrt gesperrt. Hm. Da Sonntag ist und wahrscheinlich Baustellen ähnlich pompös abgesperrt werden, wie in Deutschland, fahre ich trotzdem um die Absperrung. Resultat: eine wunderbar freie Landstraße ohne ein einziges Auto. Die Baustelle war wie angenommen ein Witz. Unterwegs treffe ich Florian, ein Franzose auf einem schnittigen Carbon-Rennrad. Wir kommen ins Gespräch. Er habe gestern gesoffen und bräuchte Motivation zum heutigen Radeln. Das passt gut, meine Beine sind ausgebrannt und ich brauche ebenfalls Motivation, um überhaupt in die Nähe von Lyon zu kommen. Am Ende begleitet er mich 25km und dreht dann wieder um nach Mâcon.
Ich muss weiter Landstraße fahren. Der Verkehr nimmt zu, je näher ich der Stadt komme. Kurz vor Ladenschluss falle ich in Lyon ins Office du Tourisme ein. Nächster Campingplatz 13km außerhalb. Äh, Moment, ..nein. Es wird das günstigste Hotel auf der Liste. Der Preis ist mehr als fair. Noch dazu super zentral. Ich bin baff. Ich bleibe einen Ruhetag dort, um mir die Stadt anzugucken. Leider regnet es den nächsten Tag ein wenig (ist ja dann doch Herbst) und meine Kamera gibt den Geist auf (Gott hab sie selig!). Ich nutze den ohnehin grauen Vormittag deshalb für diverse Einkäufe, uA. eine neue Kamera (Wer mit dem iPad Fotos macht gehört mit eben jenem erschlagen). Nachmittags dann Sightseeing bei bewölktem, aber trockenem Wetter.
Lyon ist eine ziemlich coole Stadt. Hell, freundlich, hip und kulturell gut aufgestellt. Praktisch wie Berlin, nur hell und freundlich höhö.. Leider äußerst touristisch, aber da darf ich mich ja nicht drüber beschweren.

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Chalon – Mâcon

Dachte ich mir doch tatsächlich:
„Geil, jetzt kannste ja vollstoff am Fluss Richtung Süden donnern!“ Die Antwort: Nein.
An der Saône geht kein durchgehender Radweg nach Mâcon. Crap. Stattdessen gibt es die Voie Verte. Eine idyllische Überland-Umleitung auf einer alten Bahntrasse (vergleichbar mit dem Vulkanradweg). Landschaftlich etwas spannender als der Fluss, aber auch durch die Berge etwas anstrengender.

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Höhepunkt war der ‚Tunnel du Bois Clair‘. Ein 1,6km langer, alter Eisenbahntunnel, der eine spezielle Fledermausart beherbergt und deshalb strikten Öffnungszeiten unterliegt. Die Franzosen.. In Deutschland wär da erstmal der Kammerjäger mit’m Benzinflammenwerfer durch, bevor das Ding vierspurig ausgebaut wird. Ich schaffe es natürlich während der Öffnungszeiten auf die andere Tunnelseite.. Fledermäuse haben gepennt.

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Als ich gegen Nachmittag den Campingplatz in Mâcon erreiche, bin ich fix und alle. Carrefour ist aber gleich auf der anderen Straßenseite, sodass ich nur noch wenig tun muss, um mir abends den Bauch mit Kohlenhydraten zu füllen.
Hier noch jeweils ein Bild von Tour und Kohlenhydraten:

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Dole – Chalon sur Saône

Kurz nach Dole verlasse ich den Doubs, um mit geringem Umweg nördlich auf die Saône zu gelangen. Dafür kachel ich, wie ausgeschildert, einen kleinen Seitenkanal entlang. Der Untergrund ist Schotter mit zum Teil kleinen Schlaglöchern, die das Fahrgefühl negativ prägen. Auch dieser Kanal ist gut von Fischern und Booten besucht. Von Radlern eher weniger, obwohl der Abschnitt ebenfalls zum Eurovelo-6 gehört.

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Nach 30km mache ich ein zweites Frühstück mit Camembert und Baguette. Brezel und Weißwurst hatten sie nicht harhar..
Als ich an der Saône ankomme, ist das erste was ich zu Gesicht bekomme ein kleines Schiff mit einem fröhlichen, älteren Pärchen als Besatzung. Der Schiffsname ist „Le Boat“. Ich denke an Homer Simpson’s „Le grill?! What the hell is that?!“ und lache los, sie bemerken mich, ich winke höflich, sie winken zurück.
Von Pagny-la-Ville nach Seurre kürze ich entgegen der Beschilderung am Kanal ab, anstatt dem Verlauf der Saône zu folgen. Falls das in Zukunft jemand liest, der vor dem selben Problem steht: Easy machbar.
Der Weg nach Verdun wird über kleinere Landstraßen gefahren. Klingt erstmal dramatisch, ist aber recht hübsch und Autos gibts dort so gut wie keine.
Zeitweise steht die Luft in der Einöde, es ist recht warm geworden. Das Surren der Strommasten ist das einzige hörbare Geräusch.

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In Verdun gönne ich mir kurz eine kalte Orangina in einem Café unter schattigen Bäumen und radel weiter. Die letzten Kilometer bis Chalon sind relativ unspektakulär und werden daher hier nicht weiter ausgeführt. 😉