Die äh Super-Trans-Mitteldeutschland Teil 4

Etappe 4 (Bodenwerder – Hannover) 77km.

Ich stehe extrafrüh auf und komme am Frühstücksbuffet in die Rentner-Rushhour. Toll. Es gibt selbst-erpressbaren Orangensaft an einer spaßigen Entsaftungsanlage. Ich verwandele 6 Orangen in 2 Gläser Saft. Die Vitamine kamen in letzter Zeit etwas zu kurz..
Mit noch kalten Beinen wird der Ith bezwungen, von dort kurz Landstraße nach Elze, wo auch schon die Leine vorbeifließt. Blub blub.
Der Radweg ist nicht so berauschend. Bis Laazen sehe ich die Leine exakt zwei mal kurzzeitig, den Rest der Strecke bildet ein fragwürdiges Ensemble aus Feldwegen, wenig befahrenen Landstraßen und diesem welligen, 50cm breiten Alibi-Radsteifen neben einer Bundesstraße.
Noch dazu zieht das Wetter zu, sodass ich in einem Rewe zwecks Laune not-einkehren muss, um mir eine Tüte Gummibärchen zu kaufen.

image

image

Mit besserer Laune wegen des eintretenden Zuckerschocks sause ich weiter über holprige Wege Richtung Hannover. Ich gebe zu, dass die vergangenen Tage meine Ansprüche an den Radweg durchaus hoch gelegt haben. Aber nur Asphalt hacken ist ja auch nichts auf Dauer..

image

Zwischen verschiedenen Teichen hindurch schlängelt sich der ‚Radweg‘ schließlich bis Hannover an den Maschsee! Tadaaa! Am Ende sind es 443km. Das Wetter ist diesig, aber die Laune bestens!

image

Tags drauf dann auch wieder besseres Wetter!

Mein Fazit: Nette Tour, leider viel Gegenwind, dafür wenig Höhenmeter. 😉 Kulturell gabs einiges auf dem Weg zu besichtigen, sowohl für jung als auch alt. Wer mich kennt, ahnt schon: ich bin einfach durchgebrezelt.. Möp.

Zu guter letzt ein trotz meiner fehlenden Kamera-Skills recht gelungenes Foto des neuen Rathauses:

image

Advertisements

Die äh Super-Trans-Mitteldeutschland Teil 3

Etappe 3 (Hann. Münden – Bodenwerder) 111km.

Ich stehe mit schweren Beinen auf, schleppe mich runter zum Frühstücksbuffet und stelle fest: Es gibt Lachs. Pow! Ich haue rein! Zusammen mit dem Kaffee rutscht das Frühstück .. in die Beine.
Die paar Treppenstufen wieder hoch verlangen mir alles ab. Ich packe schnell, ziehe mich um und sattele den Drahtesel auf.
Noch in Hannoversch Münden wird von mir erwartet, dass ich mich mit Morgenbenommenheit zwischen den beiden Weserufern entscheide. Ich tippe auf das linke. Die Wahl ist nicht schlecht. Der Asphalt ist 1A, außerdem ist es im Vergleich zum rechten Ufer relativ flach. Auch hier folglich wieder Gegenwind, der den Tag über nicht abnimmt.
Es dauert ewig, bis die Beine warm werden.

image

Generell gesprochen ist der Weserradweg ‚okay‘. Landschaftlich typisch Fluss, gesäumt von kleineren Bergen und hin und wieder mal urige Fähren, die mitunter an Einbäume erinnern.

image

Ich entschließe mich in Bodenwerder zu übernachten, um dann morgen ins Landesinnere zu stechen. Da stellte sich doch glatt raus, dass das kleine Kaff Heimat des berühmten Baron von Münchhausen ist. Im eigens für den Lokalmatador angelegten Museum erfahre ich mehr..

image

image

Abendessen heute: Pott Krautsalat und ein bleifreies Einbecker! Läuft..

Die äh Super-Trans-Mitteldeutschland Teil 2

Tagesetappe 2 (Schlitz – Hann. Münden) 149km.

Der komplette zweite Tag führt mich an der Fulda entlang. Als ich bei Schlitz auf meine neue Begleiterin stoße, bin ich enttäuscht. Fluss-technisch habe ich mir die Fulda deutlich größer vorgestellt. Ich will jetzt nicht abwertend ‚besserer Bach‘ schreiben, sondern .. vielleicht Flüss’le. Später führt sie dann aber doch ganz gut Wasser..
Dabei verläuft der Radweg ungefähr bis Melsungen in der flachen Fuldaaue, sodass sich hier die Höhenmeter im wahrsten Sinne des Wortes an einer Hand abzählen lassen. Aber jede Medaille hat ihre Kehrseite: Die Aue ist nahezu frei von Bäumen, folglich erschwert Gegenwind mit teils stärkeren Böen das Kurbeln.

image

image

Unterwegs gibt es eine Art handbetriebene Seilbahn-Fähre zum Überqueren des Flusses. Die Alternative wäre Landstraße gewesen, sodass ich mich schön brav hinten anstelle und mit einer netten Familie zusammen rüber kurbele.

image

Unterwegs immer wieder formvollendete Bierbäuche, Bollerwagen und naja.. Bier. (Ohne Bild, Platz für die Kreativität des Lesers)

Eigentlich wollte ich in Hinblick auf den Tageskilometerstand lieber in Kassel bleiben, aber aufgrund der fast durchgehend ausgezeichneten Radweg-Qualität und der guten Beschilderung entschließe ich mich doch zum Weiterfahren. Auf den letzten Kilometern sind die Beine schwer, wie Blei und mein Kopf im Standby-Modus.
In Hannoversch Münden finde ich schließlich ein Quartier für die Nacht. Wer Fachwerkhäuser mag, sollte hier definitiv mal vorbeischneien. Die komplette Altstadt ist voll von historischen Gebäuden, teils mit aufwendigen Schnitzereien, bunten Farben etc.

image
image
Abendessen: Spargel-Kartoffeln-Schinken. Läuft..

Die äh Super-Trans-Mitteldeutschland

Morgen ist Christi Himmelfahrt angesagt, weshalb der christliche Deutsche gleich weiß: „Damals erfand Jesus Christoph von Lazarett den Vatertag“. Karl-Heinz-Kalle-reicht war sich aber nicht mehr ganz so sicher, weshalb wir das mal so im Raum stehen lassen.

Ich beschließe also, über das lange Wochenende meinen Großcousin Michael in Hannover zu besuchen.
Friedberg-Hannover ist per Rad eine rund 420km lange Tour. Beginnend entlang des Vulkanradweges, soll mein Weg über Fulda und Weser bis hin zur Leine nach Hannover führen.

Tagesetappe 1 (Friedberg – Schlitz) 106km.

Um Punkt 7:42Uhr geht es wie geplant los. Die Sonne lacht. Von Friedberg geht es mit Bundesstraßenromantik nach Florstadt, dort biege ich gleich links ab und gurke entlang der Nidda nach Ranstadt. An der Nidda schwirren ganze Mücken-Kolonien auf eindeutig gekennzeichneten Radwegen rum, weshalb ich über einen längeren Zeitraum den Mund geschlossen lassen muss und durch die Ohren atme. Über diverse Käffer erreiche ich schließlich hinter Ortenberg den Vulkanradweg.
Hier findet gerade ein Sportevent für Grundschulkinder statt. Auf dem Radweg.. Es wird also Slalom um die Knirpse gefahren. Der eine findet sich besonders lustig und will bewusst keinen Platz machen, weshalb ein lautes „Verpiss dich!“ aus meiner ..äh Umgebung ertönt. Erschrocken springt er zur Seite, wie der Rest der anständigen Flöhe zuvor auch. Fein.

image

image

Der Vogelsberg wird mit noch frischen Beinen zügig gemeistert, die Rückseite geht erwartungsgemäß bergab (jaja..), weshalb auch hier ordentlich gedampft werden kann. Unterwegs begegnet mir ein Reh samt Rehkitz.

image

Um 14Uhr erreiche ich bereits mein geplantes Tagesziel am Ende des Vulkanradweges; Schlitz. Ein kleiner Ort mit recht hübscher Burganlage, diversen Biergärten und einem Tegut. Ich decke mich mit Lebensmitteln ein.

Jetzt sitze ich im Zimmer eines 60er-70er-80er-90er Hotels (Im Prinzip Harmony Fm) und bewundere die Konsequenz, mit der der Stil-Verantwortliche hier mit der vollen Härte der Pastellfarbe zugeschlagen hat. Das Zimmer kostet aber auch nur 29€, oder wie man im Vogelsberg bezahlen würde: eine Ziege.

image

image